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Food- and Fitness-Tracking – Smarte Moves oder Bullshit?! Teil 1 “The Tragedy”

Teil 1 – „The Tragedy“

„Oh geil, das Eis passt heute grade noch in meine Makros!“ „Boah, 1100 kcal durch’s Laufen verbrannt, dann kann ich mir ja laut der Uhr noch etwas mehr Pizza gönnen!“

Na – selber erkannt? Oder jemanden aus deinem Freundes- oder Bekanntenkreis? Tatsächlich sind diese Aussagen ständig an der Tagesordnung. Nicht nur der ambitionierte (Wettkampf-) CrossFitter, sondern auch sämtliche Hobbysportler setzen enorm auf die Weisheiten, die ihnen MyFitnessPal oder auch die Polar-/ Garmin- /Apple-Watch ausspuckt. Ganz naheliegend ist natürlich mit dieser provokanten Hinführung die Diskussion, inwieweit man also diesen Daten vertrauen sollte oder ob sie doch für die Tonne sind … Ohne weiterzulesen, kannst du es erahnen?!

Ja, richtig. Diese Trackingmethoden haben nicht gerade unerhebliche Problemstellen. Fangen wir mit dem einfacheren Bereich an: Fitness-Tracker. Der Gedanke ist ja gut. Ich will wissen, wie anstrengend das Workout war und noch mehr im Detail, wie viel Energie ich tatsächlich aufgewendet habe. Nennen wir den Bereich also „Energy Out“. Ohne hier noch lang drum rum zu reden: Laborgestützte direkte oder indirekte Kaloriemetrie ist sehr genau (aber für den Einzelnen nicht praktizierbar). Fitness-Gadgets und/ oder Anzeigen auf (Cardio-) Geräten nehmen nur sehr vage Durchschnittswerte in ihre Kalkulationsprozesse mit auf und deren Kalorienausgaben können gut 25% und mehr (!) vom tatsächlichen Wert abweichen. Irgendwie auch logisch. Während bei der direkten Kaloriemetrie die vom Körper abgegebene Wärme in einer thermisch isolierten Kammer im Labor erfasst wird, berechnen – nein: peilen Fitness-Tracker oft sogar ohne Berücksichtigung von eigentlich sehr bedeutsamen Kenngrößen – wie dem Körpergewicht – den Energieumsatz über den Daumen an. Sehr interessant und wertvoll ist in diesem Kontext die Metastudie von O’Driscoll et al. (2020), die im Bezug auf die Darstellung des Energie-Outputs von Fitness-Uhren „signifikante Heterogenitäten“ unterstreicht. Eine Vielzahl anderer Studien bekräftigen den Sachverhalt der „schludernden“ Fitness-Uhren im Bezug auf die Energieaufwendung (Boudreaux et al., 2018; Fuller et al., 2020; Jagim et al., 2021).

Damit ist es aber noch nicht genug… Das große Thema des Kalorien-Trackings (= „Energy-In“) der täglichen Nahrungsaufnahme kommt jetzt auch unters Messer. Auch hier liegt das Problem zwischen Labor und Alltag. Nehmen wir ein Stück Vollkornbrot. Mithilfe eines Bombenkalorimeters kann im Labor der Brennwert (kcal) des Brots sehr genau bestimmt werden. Super. Man weiß also ganz genau, wie viel dieses zu Forschungszwecken angekokelte Brot hatte. Aber „dasselbe“ Brot Nummer 2, 3 … XYZ…das neben seinem Bruder beim Bäcker im Schaufenster lag? Jedes davon ist einzigartig, denn die Körner sind (auch wenn am gleichen Feld aufgewachsen) einfach unterschiedlich gereift, geerntet und minimal unterschiedlich verarbeitet worden. Sprich auf dem „Label“ steht jetzt vielleicht 60g Kohlenhydrate pro 100g Lebensmittel. Hatte Brot 1 bei der Verbrennung im Labor, ja. Aber seine „Brüder“ vielleicht 65g oder 69g… vielleicht aber auch nur 54g? Nicht jedes kann so gemessen werden und die Natur bringt da einfach ihre Unterschiede mit rein. Tatsächlich können Lebensmittel bis zu 25% hohe Abweichungen zum angegebenen Verpackungswert aufweisen. Heißt einfach mal: anstatt 1000 kcal 1250kcal in der Realität. Nahrungstabellen zeigen also maximal einen Richtwert und eine Orientierung auf, zu striktes Verfolgen dieser Zahlen ist also ein kritisches Unterfangen.

Na toll, ist also Tracking mit Uhr und MyFitnessPal für „Energy-in und -out“ für die Katz‘ ? Nicht ganz… aber man muss mit den angeführten Erkenntnissen umgehen können. Mehr dazu in Teil 2…


Wissenschaftliche Hintergründe u. a. aus:

Boudreaux, B. D., Hebert, E. P., Hollander, D. B., Williams, B. M., Cormier, C. L., Naquin, M. R., Gillan, W. W., Gusew, E. E., & Kraemer, R. R. (2018). Validity of Wearable Activity Monitors during Cycling and Resistance Exercise. Medicine and science in sports and exercise50(3), 624–633. https://doi.org/10.1249/MSS.0000000000001471 

Fuller, D., Colwell, E., Low, J., Orychock, K., Tobin, M. A., Simango, B., Buote, R., Van Heerden, D., Luan, H., Cullen, K., Slade, L., & Taylor, N. (2020). Reliability and Validity of Commercially Available Wearable Devices for Measuring Steps, Energy Expenditure, and Heart Rate: Systematic Review. JMIR mHealth and uHealth8(9), e18694. https://doi.org/10.2196/18694 

Jagim, A. R., Koch-Gallup, N., Camic, C. L., Kroening, L., Nolte, C., Schroeder, C., Gran, L., & Erickson, J. L. (2021). The accuracy of fitness watches for the measurement of heart rate and energy expenditure during moderate intensity exercise. The Journal of sports medicine and physical fitness61(2), 205–211. https://doi.org/10.23736/S0022-4707.20.11151-4

O’Driscoll, R., Turicchi, J., Beaulieu, K., Scott, S., Matu, J., Deighton, K., Finlayson, G., & Stubbs, J. (2020). How well do activity monitors estimate energy expenditure? A systematic review and meta-analysis of the validity of current technologies. British journal of sports medicine54(6), 332–340. https://doi.org/10.1136/bjsports-2018-099643 

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Geschrieben von:
Art Claas van der Heide

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